Beta, oder auch Beta-Faktor genannt, ist eine Kennzahl, welche viele Anleger nutzen, um die Natur eines Vermögenswerts oder Portfolio besser einordnen zu können.

Der Beta-Faktor misst, wie stark sich ein Wertpapier im Verhältnis zu einem anderen Wertpapier verändert.

Hauptsächlich werden Wertpapiere im Verhältnis zum Gesamtmarkt betrachtet. Der Markt hat dementsprechend ein Beta von 1,0 und die unterschiedlichen Aktien, Rohstoff, Kryptowährungen oder Portfolios können danach eingestuft werden, wie stark sie vom Markt abweichen. Der Beta-Faktor ist also ein Maß der Abweichung vom Gesamtmarkt.

I. Grundsätzliches zum Beta-Faktor

1. Der Beta-Faktor als Maß für die Größenordnung der Bewegung

Eine Aktie, die im Laufe der Zeit stärkere Schwankungen vollzieht als der Markt, hat ein Beta-Faktor größer als 1,0.

Schwankt der Vermögenswert weniger als der Markt liegt sein Beta unter 1,0. Aus dem Beta-Faktor schließt man auf das Risiko eines Vermögenswert. Werte mit höherem Beta neigen dazu risikoreicher, aber auch potenziell ertragreicher zu sein als der Gesamtmarkt. Umgekehrt neigen Aktien mit niedrigerem Beta dazu stabiler zu sein aber auch niedrigere Erträge abzuwerfen.

Bei der Zusammenstellung eines Portfolios schaut man auf den Beta-Faktor der einzelnen Komponenten, die in das Portfolio aufgenommen werden sollen. Nach dem Beta-Faktor kann man das Rendite zu Risiko Verhältnis seines Portfolios ausrichten. Wenn man z.B. einen hohe Renditen erhalten möchte würde man sich auf Vermögenswerte mit einem Beta über 1,0 konzentrieren. Vermögenswerte mit höherem Beta sind i.d.R. Wachstumswerte, Technologieaktien, Kryptowährungen und Biotechnolgoieaktien.

2. Der Beta-Faktor als Indikator für die Richtung der Bewegung

Des Weiteren ist es möglich, dass ein Vermögenswert einen negativen Beta-Faktor hat. Dies ist z.B. bei dem VIX mit einem Beta von ca. -5 der Fall. Ein negativer Beta-Faktor sagt aus, dass sich der Wert entgegengesetzt dem Gesamtmarkt bewegt. Für den VIX bedeutet dies, dass der VIX fünfmal die Bewegung des SPX nur in die entgegensetzte Richtung vollzieht. Steigt der SPX um 1% fällt der VIX in der Regel um 5% und umgekehrt.

Der Beta-Faktor beschreibt sowohl die Richtung der Bewegung als auch die Größenordnung dieser Bewegung (immer im Vergleich zum Gesamtmarkt).

Jede Aktie hat einen Beta-Faktor. Die meisten Aktien haben einen positiven Beta-Faktor. Schon der Börsenspruch: „Die Flut hebt alle Boote“, deutet darauf hin, dass sich einzelne Aktien mehr oder weniger wie der Gesamtmarkt verhalten. Ein negativer Beta-Faktor bei einer Aktie bedeutet, dass diese Aktie fällt, wenn der Gesamtmarkt steigt, bzw. die Aktie steigt, wenn der Markt fällt.

Aktien haben sehr selten einen negativen Beta-Faktor. Auf der Seite Free Stock Screener (finviz.com) kann man nach dem Beta-Faktor alle US-Aktien filtern. Insgesamt haben nur 102 Aktien aus 8277 einen negativen Beta-Faktor. Damit beläuft sich die Quote der Aktien mit einem negativen Beta-Faktor auf 1,2%. Es fällt auf, dass hauptsächlich Aktien aus den Sektoren Gesundheitswesen („Healthcare“), defensive Konsumgüter („Consumer Defensive“) und Industrieunternehmen („Industrials“) und mit einer niedrigen Marktkapitalisierung einen negativen Beta-Faktor aufweisen.

So hat beispielsweise die Aktien von Akero Therapeutics, Inc. (AKRO) einen negativen Beta-Faktor von -0.93. Dieses Unternehmen ist im Gesundheitswesen tätig, genauer im Biotechnologiebereich, und hat eine Marktkapitalisierung von 1,8 Milliarden Dollar. Eine weitere Aktien aus dem Biotechnologiebereich ist Avenue Therapeutics, Inc. (ATXI) mit einer Marktkapitalisierung von 6 Millionen Dollar und einem negativen Beta-Faktor von -0,44.

90% der Aktien mit einem negativen Beta-Faktor haben eine Marktkapitalisierung von unter 1 Milliarden Dollar, ca. 65% sogar unter 100 Millionen Dollar.

Der negative Beta-Faktor bei Aktien ist meist auf eine besondere Situation des Unternehmens zurückzuführen. Insbesondere bei kleineren Unternehmen und Aktien aus dem Gesundheitswesen kommt dies häufiger vor. Ein Biotechnologieunternehmen, welches ein neues Produkt herstellt oder ein Unternehmen, welches sich in einer Übernahme oder anderen Sondersituationen befindet, verhält sich gänzlich unabhängig von den Bewegungen des Gesamtmarktes.

„Die Flut hebt alle Boote“ stimmt somit nicht zu 100% aber zumindest beinahe.

II. Interpretation des Beta-Faktors

Beta-Faktor = 1, der Vermögenswert bewegt sich wie der S&P 500

Beta-Faktor > 1, der Vermögenswert bewegt sich stärker als der S&P 500

Beta-Faktor < 1, der Vermögenswert bewegt sich weniger als der S&P 500

Beta-Faktor = 0, der Vermögenswert ist nicht mit dem S&P 500 korreliert

Beta-Faktor < 0, der Vermögenswert bewegt sich entgegen dem S&P 500

Beta-Faktor = -1, der Vermögenswert bewegt sich exakt entgegen dem S&P 500

III. Nutzen des Beta-Faktors

Der Beta-Faktor hat drei Verwendungszwecke:

1. Der Beta-Faktor in der Portfoliobetrachtung

Zum einen kann man ein bestehendes Portfolio anhand des Beta-Faktors besser einschätzen. Insbesondere bei aktiven Strategien ist das Beta ein wichtiger Indikator für das zu erwartende Risiko. Jedoch gilt hier, wie bei allen Portfoliokennzahlen, dass diese in der Zusammenschau betrachtet werden müssen, um ein umfassendes Bild der aktiven Strategie zu erhalten. Darin liegt der Nutzen des Beta-Faktors als Portfoliokennzahl, als Teil einer Gesamtbetrachtung.

2. Der Beta-Faktor in der Einzelwertbetrachtung

Zum anderen kann man Beta nutzen um Vermögenswerte zu filtern. Investoren mit einem höherem Appetit für Risiko wählen eher Vermögenswerte mit einem Beta über 1,0, während risikoscheue Anleger Werte zwischen 0,75 und 0,25 bevorzugen würden. Ebenso können Wertpapiere mit einem negativen Beta zur Diversifikation eines Portfolios beitragen.

Wertpapiere mit einem negativen Beta sind in der Regel Anleihen Optionen (Put-Optionen) oder strukturierte Produkte wie Volatilitätsprodukte (VXX, UVXY), Credit Default Swaps (CDS). Diese Produkte sind oftmals als Versicherungsprodukte angelegt. Mit ihnen können Anleger Beta Hedging betreiben.

Staatsanleihen gelten auch aufgrund ihres Beta-Faktors von 0 als eine gute Diversifikation eines sonst vornehmlich aus Aktien bestehenden Portfolios.

3. Der Beta-Faktor in der Finanzindustrie

In der Finanzindustrie steht Beta auch für die Marktrendite. Hierbei steht Beta nicht für eine Finanzkennzahl, sondern Beta steht für die Marktperformance im Allgemeinen. Der Fondsmanager oder aktiven Strategien werden unter anderem danach beurteilt, ob sie mehr Rendite erwirtschaftet haben als der Gesamtmarkt. Ziel aller aktiven Investoren sollte es sein eine höhere risikoadjustierte Rendite als der Gesamtmarkt zu erwirtschaften, im Fachjargon spricht man von: „Beating Beta“.

Im deutschen wird der Begriff des „Beating Beta“ damit übersetzt „den Markt zu schlagen“. Wer „den Markt geschlagen hat“ hat einen Mehrwert für seine Anleger geschaffen, indem er eine bessere risikoadjustierte Rendite als der Vergleichsindex erwirtschaftet hat. In der Regel basiert die Outperformance gegenüber der Benchmark auf einem Vorteil, der sich entweder aus spezifischen Expertenwissen, überlegender Recherche oder aus besonderen „Insights“, also Erkenntnisse oder Ansichten, ergibt.

Im Zusammenhang mit dem Capital Asset Pricing Model (kurz:“CAPM) stellt der Beta-Faktor das Risikomaß für das „systematische Risiko“ dar. Eine aktive Strategie, die das Beta nur verändert und keinen Mehrwert ,also Alpha, liefert, ist minderwertig.

Nahezu alle systematischen Strategie, wie das mechanische und indifferente Kaufen oder Verkaufen von Wertpapieren wie Optionen, ETFs oder Futures zu festgelegten Zeiten sind solche Beta-Strategien. Sie fangen das systematische Risiko des Marktes ein und erwirtschaften eine marktabhängige Rendite, welche risikoadjustiert keinen Mehrwert liefert.

Zu diesen Beta-Strategien zählen u.a. Einkommensstrategien mit der Verwendung von Optionen, Kaufen aufgrund von Saisonalitäten oder an bestimmten Tagen im Jahr aber auch der regelmäßige Kauf von ETFs. Im letzten Fall ist die Erwirtschaftung der Marktrendite sogar das ausdrückliche Ziel des Anlegers. Problematisch sind nur jene Strategien, die als aktiv und als „den Markt schlagend“ beworben werden jedoch einzig das systematische Risiko einfangen und anders verpacken.

Warum es keine Saisonalität an der Börse gibt habe ich in einem anderen Artikel anhand des Beispiels des Volatilitätsindex VIX dargelegt.

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