Bei der Bewertung von aktiven Strategien ist es für den Anleger wichtig zu wissen, wie die Rendite erzielt worden ist. Die meisten aktiven Fonds betreiben sogenanntes „Indexkuscheln“, indem sie den Index mit nur geringen Abweichungen nachbilden.

Dies ist für den Anleger von Nachteil, da er im Grunde in einem passiven Produkt investiert ist, obwohl er nach einem aktiven Management gesucht hat und für dieses sehr viel mehr bezahlt als für einen passiven, indexreplizierenden, kostengünstigeren ETF. Eine Möglichkeit tatsächlich aktive Manager zu finden ist die Information Ratio.

Vorstellung der Information Ratio

Die Information Ratio (IR) ist eine Kennzahl für die Performance eines Portfolios über der Rendite einer Benchmark, üblicherweise eines marktbreiten Index wie dem DAX, MSCI World oder S&P 500, zur Volatilität dieser Performance. Die Information Ratio wird genutzt, um die Fähigkeiten eines Fondsmanagers zu bewerten, Renditen zu erzielen, die über der gewählten Benchmark liegen.

Interpretation der Information Ratio

Die Information Ratio ist im Grunde eine Abwandlung der Sharpe Ratio. Der Unterschied zur Sharpe Ratio liegt darin, dass nicht die Rendite mit dem risikofreien Zins und der Volatilität ins Verhältnis gesetzt wird, sondern mit dem Tracking Error und der Outperformances der aktiven Strategie zum Vergleichsindex.

Um verstehen zu können was die Information Ratio ausdrückt muss man zunächst verstehen was der Tracking Error ist. In diesem Artikel bin ich näher auf den Tracking Error eingegangen.

Für die Information Ratio gilt im Grunde:

Je höher die Information Ratio, desto besser ist der Fonds.

Eine positive Information Ratio drückt aus, dass der Fond mit einem geringen Tracking Error eine hohe Überrendite erzielen konnte. Für die meisten Fonds ist ein Information Ratio von über 0,5 sehr gut.

Eine negative Information Ratios zeugt von einer Underperformance des Fonds zur Benchmark. Ähnlich wie bei der Sharpe Ratio sind negative Information Ratios nicht untereinander vergleichbar.

Bedeutung der Information Ratio

Von dem Grundsatz, das eine höhere Information Ratio einen besseren Fonds ausmacht gibt es einige Ausnahmen. Genau genommen gilt dies nur für Buy-and-Hold Strategien, die aufgrund ihrer Einzelaktienauswahl bzw. auf Sektorauswahl eine Outperformance erzielen möchten.

Bei allen aktiven Strategien, die irgendeine Form von Markettiming betreiben ist die Information Ratio nahezu ohne Aussagekraft. Dabei kommt es nicht darauf an wie die Umsetzung der Timingstrategie aussieht, ob man eine variable Bargeldkomponente hat, sich über Derivate absichert oder sogar auf fallende Kurse setzen kann.

Dies liegt darin begründet, dass diese Strategien bewusst und gewollt von ihrer Benchmark abweichen wollen. Sie streben danach in Zeiten fallender Preise nicht so stark zu fallen oder sogar zu steigen.

Daher ist ein hoher Tracking Error kein negativer Nebeneffekt der Strategie, sondern der Teil der Strategie über den die Outperformance erzielt werden soll. Die Information Ratio fällt umso geringer aus, desto höher der Tracking Error ist. Somit würden die Timingstrategien schlecht abschneiden und dafür bestraft werden von ihrem Vergleichsindex abzuweichen, obwohl es gerade Sinn der Strategie ist dies zu tun.

Vor- und Nachteile der Information Ratio

Der Vorteil der Information Ratio ist, dass Fonds anhand ihrer bewertet werden können, die einzig durch die Einzelaktienselektion einen Mehrwert für ihre Investoren erzielen wollen. Denn die Information Ratio fällt umso höher aus, desto größer die Überrendite und je geringer der Tracking Error ist.

Der Nachteil der Information Ratio besteht darin, dass er für aktiven Strategien, die ihre Outperformance durch Markettiming erzielen bzw. erhöhen wollen, nahezu nutzlos ist. Der Tracking Error zur Benchmark ist in diesem Fall gewünscht und nicht Ausdruck einer schlechten Strategie.

Des Weiteren gibt es noch Möglichkeiten z.B. über das Eingehen einer gehebelten Indexposition die Information Ratio künstlich zu erhöhen ohne Mehrwert zu schaffen.

Berechnung der Information Ratio

Zur Berechnung der Information Ratio benötigt man den Tracking Error sowie die Outperformance der Strategie. Wie man den Tracking Error berechnet habe ich in diesem Artikel bereits gezeigt. Die Outperformance ist die annualisierte Rendite des Fonds minus der annualisierte Rendite des Vergleichsindex.

In Excel:

Outperformance des Fonds (p.a.) – Tracking Error des Fonds = Information Ratio

Alternativen zur Information Ratio

Das Ziel der Information Ratio ist es die Performance des Fonds mit der seiner Benchmark zu vergleichen. Die gleiche Aufgabe erfüllt die Capture Ratio Up wie Down. Der große Vorteil der Capture Ratio ist, dass sie auch für aktive Timingstrategien genutzt werden kann, da sie eine Abweichung von der Benchmark nicht als per se schlecht bewertet.

In diesem Artikel bin ich näher auf die Capture Ratio Up/Down eingegangen.

Fazit zur Information Ratio

Auch wenn die Information Ratio eine geeignete Kennzahl ist, um die meisten Fonds bewerten zu können, hat sie auch einige Nachteile. Wenn man sich dieser Einschränkungen bewusst ist, ist die Information Ratio ein nützliches Werkzeug, wenn sie in der Zusammenschau mit anderen Portfoliokennzahlen betrachtet wird.

Wie so oft gilt: Die Information Ratio ist nur ein Puzzleteil und kann nur mit anderen ein aussagekräftiges Bild ergeben.

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